Gibt es eigentlich noch qualitativ hochwertiges Fleisch? Und falls ja, wie kann ich es erkennen?
Ich befinde mich oft im Zwiespalt, weil ich auf der einen Seite einfach gerne mal ein Stรผck Fleisch esse, aber auf der anderen Seite weiss, dass in unserer Gesellschaft etwas massiv schief lรคuft in Bezug auf den Fleischkonsum.
Damit meine ich nicht die Tatsache, dass man Fleisch isst, sondern vielmehr, dass Fleisch zu einem Massen- und Billigprodukt geworden ist.
Wie konnte es nur soweit kommen?
Und – vor allen Dingen – ist es wirklich ethisch vertretbar dieses Fleisch zu essen, wenn man tief in seinem Herzen weiss, unter welchยด furchtbaren Bedingungen die Tiere ihr Dasein fristen mรผssen, damit das Fleisch fรผr 2,99 โฌ in der Kรผhltheke im Discounter landen kann?
Auch bei den sogenannten Tierwohl-Labels oder Gรผtesiegeln fรผr Fleisch muss man sich von der romantischen Vorstellung verabschieden, dass die Tiere glรผcklich auf einer grรผnen Wiese grasen.
Die meisten Gรผtesiegel verbessern die artgerechte Haltung der Tiere, sie finden aber trotzdem i.d.R. in der konventionellen und industriellen Landwirtschaft Anwendung.
Konventionelle und industrielle Landwirtschaft bedeutet – vereinfacht ausgedrรผckt – Stall- und Massentierhaltung, sowie Fรผtterung mit Kraftfutter (z.B. Sojaschrot und Getreide) in den letzten 6 Monaten zur Mรคstung.
Was ist Weidefleisch?
Weidefleisch ist Fleisch von Tieren, die ihr Leben auf der Weide verbracht haben und ausschlieรlich Gras gefressen haben.
In der konventionellen und industriellen Landwirtschaft verbringen die meisten Tiere ihr Leben auf der Weide und werden i.d.R. die letzten 6 Monate in Stallanlagen mit Kraftfutter gemรคstet.
Hierbei bekommen sie – entgegen ihrer natรผrlichen Anlage als Pflanzenfresser – Getreide und Soja gefรผttert.
Dadurch soll ein mรถglichst schnelles Wachstum erfolgen, um den Profit zu maximieren.
Das Weidefleisch steht dieser Fleischproduktion, die ausschlieรlich die Gewinnmaximierung verfolgt, entgegen.
Leider ist der Begriff “Weidefleisch” nicht geschรผtzt, d.h. man muss auch hier genau hinschauen.
So gibt es Produzenten, die ihr Fleisch mit “grasgefรผttert” (“grass-fed”) bewerben.
Grasgefรผttert kann bedeuten, dass das Tier irgendwann in seinem Leben mit Gras gefรผttert wurde, schlieรt aber nicht automatisch aus, dass es mit Kraftfutter gemรคstet wurde.
Weidefleisch ist auch nicht zu verwechseln mit Bio-Fleisch.
Bio-Fleisch bedeutet, dass die Tiere mit biologischem Kraftfutter gefรผttert werden, es findet aber trotzdem eine Mรคstung im herkรถmmlichen Sinne statt.
Warum Weidefleisch?
Es gibt viele Argumente, die fรผr den Verzehr von Weidefleisch sprechen.
Die wichtigsten mรถchte ich euch kurz erlรคutern.
Tierwohl
Weidehaltung entspricht am ehesten der natรผrlichen Lebensform der Wiederkรคuer und kommt somit einer artgerechten Haltung am nรคhesten.
Tiere in Massentierhaltung erfahren einen enormen Stress, der durch Weidehaltung vermeidbar wรคre.
Natรผrlich kommt auch fรผr das Tier auf der Weide irgendwann der Zeitpunkt der Schlachtung, aber auch hier kann man darauf achten, dass der Stressfaktor so gering wie mรถglich gehalten wird.
Die meisten Produzenten von Weidefleisch achten darauf, dass z.B. die Transportwege zum Schlachter kurz sind oder sie schlachten sogar selber.
Geschmack und Gesundheit
Das Mรคsten mit Kraftfutter (Getreide und Soja) hat Auswirkungen auf den Geschmack und auf die Qualitรคt des Fleisches.
Da das Kraftfutter fรผr die meisten Wiederkรคuer keine natรผrlich Nahrung ist, verรคndert sich das Magenmilieu und die Verdauung der Tiere.
Die Konsequenzen sind zum einen eine erhรถhte Anfรคlligkeit fรผr Krankheiten bei den Tieren und zum anderen ein messbarer Rรผckgang von Omega-3-Fettsรคuren und konjugierten Linolsรคuren (CLA) im Fleisch.
Diese Fettsรคuren haben die Aufgabe den Muskelaufbau und Fettabbau beim Menschen zu unterstรผtzen.
Zusรคtzlich wird durch das Kraftfutter der Fett- und Wasseranteil im Fleisch erhรถht.
Der hรถhere Fettanteil ist fรผr den einen vielleicht ein positiver Effekt und fรผr den anderen eher negativ. Ich bevorzuge mageres Fleisch, aber das ist ja Geschmacksache.
Ein Nachteil ist jedoch definitiv der hรถhere Wasseranteil. Das kennt ihr sicher, wenn beim Anbraten des Fleisches Wasser austritt und es dann nur noch halb so gross ist.
Ein Vorteil beim Weidefleisch ist, dass man i.d.R. sicher sein kann, keine Antibiotika, Toxine oder sonstiges gentechnisch verรคndertes Material im Fleisch zu haben – sofern der Boden nicht kontaminiert ist.
Dadurch, dass Weidefleisch weniger Wasser enthรคlt, ist mehr Platz fรผr Nรคhrstoffe und Geschmack. Das Fleisch ist aromatischer und gesรผnder.
Umwelt und Klima
Durch die Fรผtterung von Mastfutter wird das Tier zu einem Nahrungskonkurrenten des Menschen.
Um genรผgend Getreide und Soja fรผr die Mast zu erhalten, werden weitestgehend sogenannte Monokulturen angelegt. Die Pflanzen sind sehr anspruchsvoll und die Belastung der Bรถden entsprechend hoch.
Dadurch wird wertvolles Ackerland fรผr die Futtermittelproduktion geopfert, wรคhrend รผberall auf der Welt Menschen verhungern.
Wir alle haben schon von der Rodung des Regenwaldes zugunsten des Anbaus von Tierfutter gehรถrt. รkosysteme werden zerstรถrt und die Artenvielfalt geht verloren.
Weidetiere kann man auch als Landschaftspfleger bezeichnen. Durch den Vertritt und den Dung (Kot) wird die Fruchtbarkeit des Bodens erhรถht, das Gras kann grosse Mengen Kohlenstoff speichern und der natรผrlich Kreislaufs des รkosystems ist wieder in Balance.
Heimische Wirtschaft
Wenn ihr das Weidefleisch aus eurer Region bezieht, stรคrkt ihr die regionalen Produzenten und schont die Umwelt.
Ein angemessener Preis fรผr das Fleisch ermรถglicht allen – vom Metzger bis zum Landwirt – bessere (faire) Lรถhne, nachhaltiges Wirtschaften und einen respektvollen Umgang mit den Tieren.
Fleisch ist kein Billigprodukt und auch hier sollte “Qualitรคt, statt Quantitรคt” gelten.
Wo bekomme ich Weidefleisch?
Wenn ihr euch entschlossen habt, zukรผnftig auf Weidefleisch umzusteigen, solltet ihr darauf achten, es regional zu beziehen.
Besucht die Hoflรคden in eurer Umgebung, schaut euch an, wie und wo die Tiere grasen und fragt im Zweifelsfall nach.
Ihr kรถnnt auch beim Metzger eures Vertrauens kaufen, wenn ihr sicher seid, dass es sich um Weidefleisch aus der Region handelt.
Auch auf Wochenmรคrkten kรถnnt ihr oftmals Weidefleisch-Lieferanten finden.
Ihr solltet euch jedoch darauf einstellen, dass das Angebot teilweise eingeschrรคnkter ist, als ihr es aus dem Supermarkt gewohnt seid.
Bei meinem Hofladen beispielsweise, wo ich seit einiger Zeit unser Weidefleisch kaufe, wird einmal im Monat geschlachtet.
Man kann sich gewisse Stรผcke reservieren lassen, wie z.B. Steak, Tafelspitz, Beinscheiben, Gulasch, etc.. Das geht aber logischerweise nicht immer. Wenn etwas ausverkauft ist, dann gibt’s das erst wieder im nรคchsten Monat.
Unter weidefleisch.org habe ich eine Liste fรผr Deutschland mit Weidefleisch-Anbietern gefunden. Vielleicht ist ja einer in eurer Nรคhe dabei.
Infobox Weidefleisch
Ich hoffe, dir hat mein Artikel รผber Weidefleisch gefallen und ich freue mich รผber dein Feedback!
Schreibe mir gerne in den Kommentaren unter diesem Artikel!
Liebste Grรผsse






Pingback: Das perfekte Steak | Fine & Shine
Vielen Dank fรผr deine Mรผhe ! Toller Bericht!
Liebe Ana,
es freut mich, wenn dir der Artikel gefallen hat!
Lieben Dank fรผr deinen Kommentar!
Viele Grรผsse, Katja